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F-gassen8 Min. LesezeitAktualisiert 21 augustus 2026

Natürliche Kältemittel: R-290, R-744 und Ammoniak im Vergleich

Propan, CO₂ und Ammoniak haben einen GWP unter 5 und bleiben nach jedem F-Gas-Phase-down verfügbar. Was die drei können, für wen sie geeignet sind und welche Installationsanforderungen sie stellen.

BRL 100 und STEK sind niederländische nationale Zertifizierungs­schemata — volle Unterstützung gibt es heute nur für NL. Siehe unsere ehrliche Länder-Abdeckung.

Während der F-Gas-Phase-down die Verfügbarkeit und den Preis synthetischer Kältemittel unter Druck setzt, rücken drei alte Bekannte zurück ins Zentrum des Marktes: Propan (R-290), CO₂ (R-744) und Ammoniak (R-717). Ihr gemeinsames Merkmal: GWP ≤ 5, also keine Quote, kein künftiges Verbot, kein STEK-Emissionsdruck. Ihr Unterschied: sehr unterschiedliche Installationsanforderungen. Im Folgenden, wofür jeder Typ gedacht ist und wann Sie ihn in Betracht ziehen können.

Was sind „natürliche Kältemittel"?

Ein [natürliches Kältemittel](/kennisbank/begrippen#natuurlijk-koudemiddel) ist ein Stoff, der auch in der Natur vorkommt und nicht synthetisch hergestellt werden muss: Kohlenwasserstoffe (Propan, Isobutan), Kohlendioxid, Ammoniak und Wasser. Anders als HFKW und HFO fallen sie nicht unter die F-Gase-Verordnung — ein Austritt aus der Anlage schlägt nicht auf die Unternehmensquote und zählt nicht für die STEK-Emissionsberechnung.

Die Kehrseite: jedes hat seine eigene Sicherheitsherausforderung. Propan brennt, CO₂ arbeitet auf Druckniveaus von 60-130 bar, Ammoniak ist giftig und leicht entflammbar.

R-290 — Propan für Wärmepumpen

Sicherheitsklasse A3 (brennbar, ungiftig), GWP 3. R-290 gewinnt als Kältemittel für Wohnungs- und kleine Gewerbe-Wärmepumpen an Bedeutung, vor allem bei Außenaufstellung.

Was es stark macht:

  • Thermodynamisch hervorragend: bei vielen Auslegungen vergleichbar mit oder besser als R-32 beim COP.
  • GWP von 3 → einer der niedrigsten aller praxistauglichen Kältemittel, nach CO₂.
  • Verfügbarkeit ist gesichert; keine Quote, keine langfristige Lieferantenunsicherheit.

Worauf zu achten ist:

  • A3 bedeutet einen großen Entflammbarkeits-Spielraum. Gesetzliche Grenzen für die Füllmenge pro Raum sind deutlich strenger als bei A2L (R-32). Eine typische Wohnungs-Wärmepumpe muss deshalb außen stehen; Innenaufstellungen erfordern erhebliche zusätzliche Belüftungs- oder Erkennungsvorkehrungen.
  • Service und Wartung erfordern funkenfreies Werkzeug und Bewusstsein für Zündquellen.
  • Das F-Gase-Betriebszertifikat ist für R-290 nicht erforderlich (es ist kein F-Gas), aber umsichtige Betriebe halten dieselbe Verwaltungsqualität und BRL-200-Disziplin ein.

Für Wohnungs-Wärmepumpen, bei denen der Installateur die Außeneinheit an einer freien Fassade platzieren kann, ist R-290 2026 eine deutlich wachsende Wahl — unter anderem, weil es deutlich unter der künftigen 150-GWP-Grenze liegt, an die R-32 (GWP 675) und R-454B (466) irgendwann stoßen können.

R-744 — CO₂ für Wärmepumpen und gewerbliche Kühlung

Sicherheitsklasse A1 (nicht brennbar, ungiftig), GWP 1. R-744 ist technisch das „sauberste" Kältemittel — Kohlendioxid ist buchstäblich der Referenzwert für die Klimawirkung.

Anwendungen:

  • Warmwasser-Wärmepumpen (die hohe Vorlauftemperatur, die CO₂-Kreisläufe erreichen, passt gut zu den Warmwasser-Anforderungen von 60-70 °C).
  • Supermärkte — Booster-Systeme für Tiefkühlung + Kühlung an einem zentralen R-744-Kreislauf sind im Neubau zum Marktstandard geworden.
  • Industrielle Kühl- und Gefrierräume.

Was die Herausforderung ist:

  • Der Betriebsdruck ist deutlich höher als bei HFKW. Ein R-744-Kreislauf arbeitet routinemäßig oberhalb von 80 bar und kann unter transkritischen Bedingungen über 100 bar erreichen. Komponenten, Leitungen und Kupplungen müssen für dieses Niveau spezifiziert sein.
  • Trans- vs. subkritische Kreisläufe: CO₂ hat einen kritischen Punkt bei etwa 31 °C; in wärmerem Klima schaltet der Kreislauf auf transkritisch, was eine andere Auslegung erfordert als ein klassisches Verdampfer-Kondensator-System.
  • Monteur-Kenntnisse: eine R-744-Schulung ist kein selbstverständlicher Teil einer Standard-Kältetechnik-Ausbildung; ein Spezialzertifikat wird empfohlen.

Im gewerblichen Segment ist R-744 mittlerweile eine ausgereifte Technologie; bei Wohngebäuden ist es vor allem über Warmwasser-Wärmepumpen präsent.

R-717 — Ammoniak für die Industrie

Sicherheitsklasse B2L (giftig, leicht entflammbar), GWP 0. Ammoniak ist das am längsten genutzte industrielle Kältemittel — seit über einem Jahrhundert in der großtechnischen Kälte- und Gefriertechnik im Einsatz.

Wo Ammoniak eingesetzt wird:

  • Große Tiefkühllager (Logistik, Lebensmittelindustrie).
  • Eisbahnen und große Kälteanlagen.
  • Industrielle Prozessanwendungen.

Warum nie für Wohngebäude:

  • Toxizität: ein Leck von mehr als ein paar Kilo Ammoniak in einem geschlossenen Raum ist ein medizinischer Notfall. Mitarbeiter arbeiten mit persönlicher Gaserkennung und geschulten Notfallverfahren.
  • Maßnahmen: doppelte Umhausung, Schnüffelsysteme, Evakuierungspläne — Investitionen, die im industriellen Kontext tragbar sind, sich aber nicht auf eine wohnungsgebundene Wärmepumpe herunterskalieren lassen.

Für einen lokalen Installationsbetrieb liegt R-717 in der Regel außerhalb des Aufgabenbereichs. Wichtig ist vor allem, es auf einer anderen Spur zu erkennen: bei der Übernahme eines Industriekunden mit Ammoniak-Anlage gelten gesonderte Zertifizierungen und Risikomanagement.

Entscheidungstabelle: welches natürliche Kältemittel wann?

Allgemeine Orientierung, keine individuelle Beratung:

  • Wohnungs-Wärmepumpe, Außeneinheit: R-290 (Propan).
  • Warmwasser-Wärmepumpe: R-744 (CO₂) für Anwendungen, die 60+ °C benötigen.
  • Gewerbliche Kühlung/Gefrieren (Supermarkt, Distribution): R-744 (CO₂)-Booster-System.
  • Industrielle Größenordnung (>500 kW, Tiefkühllager): R-717 (Ammoniak), ausgeführt von spezialisierten Unternehmen.
  • Kleinere Komfort-Klimaanlage innerhalb eines Wohngebäudes: vorerst noch HFKW/HFO (R-32 oder R-454B); R-290 wächst in diesem Segment, aber die A3-Anforderungen erschweren die Innenaufstellung.

Was das für die Installateur-Verwaltung bedeutet

Drei praktische Auswirkungen:

  • Die GWP-Bilanz wird sauberer. Bei Auslegungen mit R-290 oder R-744 fällt der Logbuchpflicht-Check selten positiv aus — eine typische R-290-Füllmenge von wenigen hundert Gramm bleibt weit unter der 5-Tonnen-Schwelle.
  • Die Lecksuche-Pflicht entfällt oft. Unterhalb der 5-Tonnen-Schwelle gilt die gesetzliche Lecksuche-Pflicht nicht — Herstellerwartungspläne bleiben aber für die Garantie maßgeblich.
  • Die STEK-Berichterstattung vereinfacht sich. Kein F-Gas in der Anlage = kein Emissionsbeitrag zur jährlichen STEK-Meldung.

Was bleibt: die Disziplin bei Arbeitsauftrag, Zertifikat und Anlagenhistorie. Goldene Regel: ein BRL-100-Unternehmen dokumentiert jede Anlage mit derselben Sorgfalt, unabhängig davon, ob das Kältemittel ein F-Gas oder ein natürlicher Typ ist.

Wie Koldwerk damit arbeitet

Bei jeder Anlage wählen Sie das Kältemittel aus einer festen Liste, die natürliche Typen (R-290, R-744) genauso behandelt wie HFKW: der zugehörige GWP (3 oder 1) sorgt automatisch dafür, dass die CO₂-Äquivalent-Berechnung im Modul Anlagenverwaltung keinen Lecksuche-Zyklus anlegt, solange Sie unter der Schwelle bleiben. Dieselbe Kältemittelverwaltung funktioniert für R-290 — praktisch, wenn Sie ein gemischtes Anlagenportfolio betreuen und die Logik nicht aufteilen möchten. Was das kostet, steht auf /prijzen.

Weiterlesen

Haftungsausschluss: natürliche Kältemittel erfordern jeweils einen eigenen Sicherheitsansatz (A3 brennbar, B2L giftig, hohe Betriebsdrücke bei R-744). Dieser Artikel ist eine allgemeine Orientierung — konsultieren Sie für eine konkrete Wahl oder Installation die Herstellerdokumentation, ATEX-Anforderungen (bei A3) und das niederländische Besluit activiteiten leefomgeving (Bal) mit der Omgevingsregeling, seit dem 1. Januar 2024 Nachfolger der Activiteitenregeling milieubeheer.

Häufig gestellte Fragen

Was sind natürliche Kältemittel?

Stoffe, die in der Natur vorkommen und nicht synthetisch hergestellt werden müssen: Propan (R-290), CO₂ (R-744), Ammoniak (R-717) und Wasser. Sie haben alle einen GWP unter 5 und fallen nicht unter die F-Gase-Verordnung — keine Quote, kein künftiges Phase-down-Risiko.

Darf ich Propan (R-290) in einer Wohnungs-Wärmepumpe verwenden?

Ja, R-290 (GWP 3) wird zunehmend in Wärmepumpen eingesetzt — vor allem bei außen aufgestellten Geräten. Wegen der A3-Entflammbarkeit gelten strengere Raum- und Belüftungsanforderungen als bei R-32 (A2L); Innenaufstellungen erfordern erhebliche zusätzliche Vorkehrungen.

Brauche ich ein F-Gase-Zertifikat, um mit R-290 zu arbeiten?

Gesetzlich nicht — R-290 ist kein F-Gas und fällt nicht unter die F-Gase-Verordnung. In der Praxis wenden BRL-100-Unternehmen dieselbe Verwaltungsdisziplin an (Arbeitsauftrag, Anlagendossier, Zertifizierungsanforderungen auf Monteurebene).

Wo wird CO₂ (R-744) als Kältemittel eingesetzt?

Vor allem in Warmwasser-Wärmepumpen (hohe Vorlauftemperatur 60-70 °C), Supermarktkühlung (Booster-Systeme für Gefrieren + Kühlen) und industriellen Kälteanlagen. CO₂ arbeitet mit Betriebsdrücken von 60-130 bar — Komponenten und Monteurschulung müssen darauf abgestimmt sein.

Ist Ammoniak (R-717) für Wohngebäude geeignet?

Nein. Ammoniak ist giftig (B2L); ein Leck in einem geschlossenen Raum ist ein medizinischer Notfall. Deshalb nur industrielle Anwendungen: große Tiefkühllager, Eisbahnen, Lebensmittelindustrie. Für Wohngebäude oder kleine Gewerbeobjekte sind R-290 oder R-744 die praktischen natürlichen Optionen.

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